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Aktuelle Studie – Stand der Dinge zum Thema Interviewführung

Artikel 1 - Abb. 1Relativ zur praktischen Bedeutung hält sich der Umfang von Validierungsstudien zum Interview als diagnostisches Instrument in Grenzen. Der führende US-Autor Michael Campion von der Purdue University fasst die aktuelleren Studien zusammen (Campion, 2014). Er berichtet von bisher 36 durchgeführten Validitätsstudien. Zunächst bestätigen diese die bereits bekannten Ergebnisse, dass „Vorstellungsgespräche“ mit beliebigen Fragen ohne Anforderungsbezug (bspw. „Warum möchten Sie bei uns arbeiten?“, „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“) trotz der Selbstgewissheit des Interviewers keine Validität haben und primär gegenseitige Sympathie sicherstellen. Der Treiber für Zuverlässigkeit und Treffsicherheit besteht in einer hohen Strukturierung durch anforderungsorientierte, vorbereitete Fragen in gleicher Reihenfolge.

In Bezug auf das Stellen von Rückfragen während des Interviews war der bisherige Status quo die STAR-Methode (Situation, Task, Result), die wir auch in unseren Interviewtrainings verwenden. Hierzu gibt es Neues: Nach Campion bedroht das Nachfragen stark die Objektivität und schlussendlich die Treffsicherheit der Interviews. Professionellen Interviewern gelingt es kaum, so nachzuhaken, dass die Bewerber keine mehr oder weniger deutlichen Hinweise auf die gewünschte Antwort bekommen. Er schlägt eher vor, für jede Frage allgemeine, weiterführende Nachfragen vorzubereiten (z. B. bei situativen Fragen: „Okay, und wenn Ihre Antwort nicht funktioniert, was würden Sie dann tun …?“ oder bei biografischen Fragen: „Welche Unterstützung hatten Sie dabei?“ oder „Wer war noch beteiligt?“).

STAR-Methode

Die höchste Validität weisen Interviews auf, in denen es vorbereitete Antwortkategorien gibt. Die schwächste Variante ist dabei eine allgemeine Likert-Skala (z. B. 3 = erfüllt mit der Antwort die Erwartungen teilweise). Besser sind Verhaltensanker, in denen etwa in drei Stufen die erwarteten Antworten inhaltlich beschrieben werden.

Die Befunde im Hinblick auf Objektivität und Validität fallen eindeutig aus. Die praktische Herausforderung ist es, die beteiligten Führungskräfte dazu zu bringen, diese tatsächlich zu berücksichtigen und anzuwenden. Dazu sollte es in der Vorbereitung Kalibrierungsübungen mit Videobeispielen geben.

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